Judo-Verein: Kinder zeigen, wie Beteiligung geht

Im Sportverein haben oft die Erwachsenen das Sagen. Das gefällt den Kindern vom Judo-Club "Samura" aus Oranienburg gar nicht! Deswegen haben sie sich überlegt, wie Kinder in ihrem Verein beteiligt werden können. Unser Projekt des Monats!

Die Kinder sind um Tische versammelt und arbeiten an ihrem Kinder- und Jugendbeteiligungsgremium.

"In der Mitgliederversammlung des Vereins waren nur Erwachsene, obwohl Kinder den größten Teil des Vereins ausmachen", erzählt Juri (13). Er möchte in seinem Verein, in dem er seine Freizeit verbringt, mitbestimmen. Wie das gehen kann, zeigt das Projekt "Kinder- und Jugendbeteiligungsgremium" vom Judo-Club "Samura" aus Oranienburg.  

Gemeinsam mit den Erwachsenen Mitgliedern des Vereins haben die Kinder ein Kinder- und Jugendbeteiligungsgremium entwickelt, das ihnen ermöglicht, bei Entscheidungen im Verein ihre Meinung einzubringen.  

Gefördert wird das Projekt über den Brandenburgfonds vom Deutschen Kinderhilfswerk.  

Beteiligung statt Sportcamp 

Normalerweise machen die Kinder vom Verein ein einwöchiges Sportcamp in den Sommerferien, in dem es ausschließlich um Judo geht. Dieses Mal sah das Camp aber anders aus: Eine ganze Woche lang haben die Kinder in kleinen Arbeitsgruppen Methoden entwickelt, wie sie selbst mitbestimmen können.  

So langweilig, wie Projektleiter Sascha Bodenstein befürchtet hatte, wurde es überhaupt nicht. "Es war einfach mal eine Abwechslung im Jugendcamp anstatt immer nur Sport", erzählt Juri. Viele der Kinder waren begeistert, da sie Beteiligung schon in der Schule erleben und hatten am Ende der Woche beeindruckende Ergebnisse.  

Ideen der Kinder  

Neben vielen Vereinsthemen wurde außerdem eine Jugendvertretung bestimmt und Regeln für sie aufgestellt. Weitere Ideen der Kinder waren ein Kummerkasten, eine Übernachtung im Dojo oder dass sie selbst entscheiden, welche Trainingseinheit sie machen. "Ich finde es gut, dass auch Kinder ihre Wünsche äußern können", sagt Juri, denn oft haben in Sportvereinen Erwachsene das Sagen. Projektleiter Sascha Bodenstein hofft deswegen, dass ihr Projekt ein Vorbild für andere Vereine sein kann.  

Verankerung in der Vereinssatzung 

Jetzt fehlt aber noch der wichtigste Schritt: Die Jugendvertretung soll in die Vereinssatzung aufgenommen werden. Dafür müssen die Kinder ihre Ideen in der Mitgliederversammlung anerkennen lassen. Das sollte laut Projektleiter Sascha Bodenstein aber die kleinste Hürde sein. 

Jurybegründung 

Das Projekt verknüpft den Sport im Verein erfolgreich mit demokratischen Prozessen. Dadurch wird ein gut strukturiertes Beteiligungsprojekt im organisierten Sport umgesetzt, das Jugendliche nicht nur informiert, sondern Beteiligung konkret erlebbar macht. Besonders lobenswert ist der praktische Ansatz: Durch Impulse zum Mitwirken und das Aufstellen erster fester Beteiligungsstrukturen wird Mitbestimmung nicht nur theoretisch vermittelt, sondern direkt im eigenen Verein ausprobiert und reflektiert. Dadurch dass die Jugendvertretung sogar in die Vereinssatzung aufgenommen wird, erfahren die Jugendlichen außerdem ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und erleben nachhaltige Möglichkeiten, sich einzubringen.

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